Statement Produktbeschreibungen


Liebe Leserinnen, liebe Leser!


Sofern nicht anders angeführt, ist Andy Bigler (Genuss Autor, Blogger und Kolumnist) für alle Artikelinhalte verantwortlich!


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Montag, 2. März 2015

Weingut Christoph Hess (Neusiedl am See - Neusiedlersee)


Ambitionierter Jungwinzer - traditionelle Weine mit klassischer Stilistik


Christophs Großeltern gründeten 1951 einen kleinen Weinbaubetrieb, der später von seinen Eltern nebenberuflich weitergeführt wurde.

Bereits als kleiner Junge zeigten sich Christophs Vorlieben für das Handwerk des Weinbauern. Diese Vorlieben blieben ihm erhalten, daher besuchte er keine HTL für Elektrotechnik, um in den elterlichen Betrieb einzusteigen, sondern die HBLA für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg, die er 2008 erfolgreich abschloss.

Die Praxiszeiten während seiner Ausbildung absolvierte er in heimischen Betrieben und in Südtirol. Nachdem er seinen Präsenzdienst abgeleistet hatte, zog es ihn noch weiter in die Ferne, nach Neuseeland, wo er vier Monate im Weinbau tätig war.

Seit Mai 2010 arbeitet Christoph hauptberuflich als Kellermeister bei Hans und Christine NIttnaus in Gols und bewirtschaftet zusätzlich seine eigenen Weingärten.



Von seinen Eltern übernahm Christoph gerade mal einen halben Hektar Weingarten, daher pflanzte er einen halben Hektar dazu und pachtete noch weitere 1,8 Hektar. Die zusätzliche Auspflanzung erfolgte mit den Rebsorten Grüner Veltliner und Sauvignon Blanc. Aktuell bewirtschaftet Christoph Hess knapp 4,5 Hektar.

Der heute 26 jährige Jungwinzer legt viel Wert auf Sortentypizität, Terroir und Charakter seiner Weine. Wie er selbst sagt, braucht es für guten Wein reifes und gesundes Traubenmaterial, was nur durch sorgsame Arbeit im Weingarten erzielt werden kann. Lockerer Stockaufbau und entsprechende Mengenreduktion sind für ihn ebenso selbstverständlich, wie eine sorgsame händische Lese und sauberste Arbeit im Keller.

Die Rebstöcke befinden sich in den besten Lagen rund um Neusiedl. Die "Lange Sauerbrunn" , eine kühlere Lage mit schwerem Boden, eine ideale Heimat für den Sauvignon Blanc. Die mehr als 35 Jahre alten Rebstöcke des Welschriesling am "Seefeld" stellen die älteste Anlage des Weinguts dar. "Mittlere Sauerbrunn", so wie "Hausberg" und "Hutweide" bilden die idealen Grundlagen für Aromatik und Fülle des Grünen Veltliner. Die Rebsorte Zweigelt ist sowohl in der "Hutweide" wie auch am "Kirchberg" beheimatet und die "Mittlere Sauerbrunn" ist auch mit Blaufränkisch bepflanzt.

So wie bei der Standortwahl für die Rebstöcke, wird auch im Keller nichts dem Zufall überlassen, vergoren wird ausschließlich mit Reinzuchthefen. Die Grundmauern des kleinen Kellergewölbes bestehen seit 400 Jahren und vermitteln neben Kellerromantik, absolute Sauberkeit. Das Pressverfahren erfolgt  im geschlossenen System mit Inertgas, wodurch der Pressmost vor Oxydation geschützt wird, Farbe und sortentypische Aromen erhalten bleiben.




Bei einer Betriebsbesichtigung wird dem Besucher sofort bewusst, akribische und saubere Arbeitsweise, sowie Bodenständigkeit und Terroir sind für Christoph von höchster Wichtigkeit. Jeder der sechs aktuellen Weine verfügt über Eigenständigkeit, alle haben ihren ganz besonderen Charme und sie haben eine Gemeinsamkeit, sie trinken sich hervorragend!



  • c1 - Welschriesling 2013:

c1 bedeutet "Christophs Erster". Mit dieser Sorte kelterte Christoph seinen ersten eigenen Wein.

Der aktuelle Jahrgang präsentiert sich klar, reintönig und absolut typisch. In der Nase fein verwobene Aromen von Äpfeln und Heublumen, mit einem Hauch Citrusaroma. Am Gaumen fruchtig, kräftig, charmant füllig mit gut passendem Säuregerüst. Der mittellange Abgang ist kompakt und harmonisch. Der Nachklang bestätigt alle vorangegangenen Eindrücke. Kurz gesagt, ein Welschriesling der beweist, was diese Sorte wirklich kann!


  • gV - Grüner Veltliner 2014:

Der Grüner Veltliner ist mit Sicherheit nicht die Paradesorte im Seewinkel, aber wenn sich die Rebstöcke in einer optimalen Lage befinden und der Winzer diese Sorte zu würdigen weiß, sind angenehme Überraschungen garantiert.

In der Nase pfeffrig herbal, würzig subtil. Am Gaumen würzig, fruchtig und knackig frisch; füllige Gesamtstruktur mit passendem Säuregerüst. Der lange Abgang ist ebenfalls gut strukturiert und bereits erstaunlich gut ausgewogen, mit einigen charmanten Ecken und Kanten. Der Nachklang hinterlässt Verwunderung im positiven Sinn, so viel Veltliner, dort wo man ihn nie vermuten würde, das klingt gut und animiert zum nächsten Schluck. Ein Wein mit Potential, mit dem Versprechen gut zu reifen, um auch in der Zukunft für Trinkgenuss zu sorgen!


  • sB - Sauvignon Blanc 2014:

Christophs persönliche Lieblingssorte und der intensive Umgang mit dieser während seiner Praxiszeit in Neuseeland, zwei Komponenten die für hohe Erwartungshaltungen sorgen.

Trotz seiner Jugend präsentiert sich dieser Sauvignon Blanc bereits elegant und gut ausgewogen. In der Nase keine grünen, unreifen Noten, sondern klare vollreife Aromen von Mango, Maracuja, Papaya, etwas Karambole (Sternfrucht), dezenten Stachelbeernoten und einem Touch von Heublumen; alles fein miteinander verwoben. Am Gaumen homogene, komplexe Frucht mit elegantem Säurespiel. Gut ausgewogene Gesamtstruktur mit Finessenreichtum, der sich im langen Abgang fortsetzt und einen beeindruckenden Nachklang hinterlässt. Dieser Sauvignon Blanc zeigt Klasse, Charme und Elegance mit gutem Zukunftspotential.


  • Pink Prinzess - Frizzante Rose:

Der Grundwein für diesen Frizzante stammt von einer Cuvee aus Zweigelt und Blaufränkisch. Das anmutigende Mousseux, gemeinsam mit dem Pink in der Farbe, sorgen für leuchtend schimmernde Reflexe. In der Nase Aromen von Sauerkirschen, roten Beeren und einem sehr dezenten Hauch von reifen Erdbeeren. Am Gaumen prickelnd und fruchtig, mit guter Balance von Säure und Zuckerdosage (22 g/l). Dadurch entsteht ein frech - frivoler Gesamteindruck mit angenehmer Länge und kokettem Nachklang.


  • zW - Zweigelt DAC 2013:

Dieser Zweigelt ist einer der typischsten Sortenvertreter, die ich in den letzten Jahren im Glas hatte und auch jener Wein, der mein Interesse für das Weingut Christoph Hess weckte. 
Vor der Pressung fand die Gärung für zwei Wochen im offenen Bottich  (mit ständigem Rühren von Hand) statt. Diese Methode und die Sorgfältigkeit des Winzers verleihen dem Wein seine Typizität und Einzigartigkeit.

Die Farbe, tiefdunkles Granatrot mit violetten Reflexen. In der Nase reife Weichseln und Herzkirschen, begleitet von feingliedrigen, herbalen Noten. Am Gaumen elegante komplexe Frucht mit belebender Säurebegleitung. Die Gesamtstruktur überzeugt durch Kompaktheit, zarte Tannine und Finesse. Der Abgang ist lang, vielschichtig und fein verwoben, ohne jemals plump zu werden. Der Nachklang stellt eine Art Endlosschleife dar, Trinkgenuss und Spaß bis zum letzten Schluck. Der Wein hat mittlere Trinkreife und noch viel Entwicklungs- und Lagerpotential! Ein klassischer, "einfacher" Wein mit Charakter, eben ein echter, ehrlicher Zweigelt!


  • Smooth Zweigelt 2013:

Tiefes Purpur lässt eine gewisse Mächtigkeit vermuten. In der Nase reife, dunkelrote, süssliche Kirschen mit dezenter Gartenkräuternote. Am Gaumen kompakte, dichte Frucht mit Extraktsüße, perfekt abgerundet  durch ein passendes Säuregerüst. Die Gesamtstruktur präsentiert sich harmonisch mit gutem Trinkfluss bis ans Ende des langen Abgangs. Der Nachklang - aufgrund der "Süffigkeit" wird man sofort zum nächsten Schluck animiert, aber Vorsicht, denn dieser Schmeichler hat sehr viel Kraft!



Fassproben 2014:

  • Welschriesling:

Wie sein Vorgänger ist auch der 2014er Welschriesling ein ganz ehrlicher und typischer Sortenvertreter, mit passender Gesamtstruktur (dezente Säurebegleitung), keine unreifen Grüntöne, belebender mittellanger Abgang, stimmiger Nachklang.


  • Am See - Weiss:

Zurzeit noch jeder in seinem Fass, werden in ein paar Monaten ⅔ Grüner Veltliner (500 Liter Allier-Fass) mit ⅓ Sauvignon Blanc (225 Liter Akazien-Fass) verschnitten. Die Fassprobe wurde, entsprechend dem gewünschten Endergenis, im Kostglas verschnitten. 

In der Nase präsentieren sich Würze und Extrakt mit dezent pfeffrigen Noten, Stachelbeeren, Akazienblüten und saftiges Biskuit. Am Gaumen fruchtig, saftig und füllig, mir sehr dezenten Holznoten und feiner Kräuterwürze, getragen von einem gut integrierten Säuregerüst. Der mittellange Abgang hat logischer Weise noch einige Ecken und Kanten, ist aber bereits jetzt sehr anmutigend, mit Finesse und Charme. Dieser Wein hat Zukunftspotential und wird trotz moderner Stilistik Klasse und Bodenständigkeit repräsentieren, denn sein Charakter ist weit entfernt von "uniformierter Holzwein Stilistik"!



Verkostungsnotizen vom 27.02.2015







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