Statement Produktbeschreibungen


Liebe Leserinnen, liebe Leser!


Sofern nicht anders angeführt, ist Andy Bigler (Genuss Autor, Blogger und Kolumnist) für alle Artikelinhalte verantwortlich!


GENÜSSLICHE GEDANKEN veröffentlicht keine Produkt- oder Betriebsbewertungen! Es wird ausschließlich informiert und vorgestellt und das möglichst objektiv und wertfrei, was allerdings nicht immer ganz so einfach ist. Dafür gibt's dann die Rubrik "Ansichtssache" ...


Dienstag, 13. Oktober 2015

Weingut Sohns - Geisenheim/Rheingau, Deutschland


Feinstes Rheingauer Weinhandwerk



Der deutsche Wein und die ÖsterreicherInnen

Wenn österreichische WeingenießerInnen von deutschen Weinen sprechen, denken sie vorerst an Riesling und an die Mosel. Seit einigen Jahren gewinnen aber auch Rheingau-Weine in österreichischen Weingenießerkreisen immer mehr an Bedeutung. Oberflächlich betrachtet könnte man sagen es liegt an der Rheingauer Stilistik, die den ÖsterreicherInnen gefällt; knackig, frisch, fruchtig und mit gutem Trinkfluss.

Aber es ist wesentlich mehr als das, was Weine dieser Region zu bieten haben. Trotz weltweit fortschreitender Uniformierung der Weine scheint die Mehrheit der Winzer im Rheingau dem Mainstream abzusagen und legt Wert auf Bodenständigkeit, Typizität und Charakter ihrer Weine.



Weinhandwerker-Familie mit Tradition und Innovation

Auch die Geisenheimer Winzerfamilie Sohns beweist eindrucksvoll, wie wichtig ihnen Charakter und Typizität sind und dass moderne Technologie keines Falls im Widerspruch zu Klassik und persönlicher Betriebsphilosophie stehen muss. So wie hier die dritte und vierte Generation in Harmonie zusammenarbeiten, präsentieren sich auch ihre Weine mit einer gelungenen Verschmelzung aus Tradition und Innovation. So entstehen durchwegs erstklassige Weine mit Charakter und Charme.


Die zirka acht Hektar Rebfläche befinden sich in den besten Lagen, wie Geisenheimer Mönchspfad, Fuchsberg und Kläuserweg. Alle Weingärten werden selbstverständlich nachhaltig und qualitätsorientiert bewirtschaftet. Neben der Hauptsorte Riesling spielen auch Weiß- und Spätburgunder eine bedeutsame Rolle.


Kurz zusammengefasst, "kleiner Betrieb, kleine Erträge - große Qualität"!






Genüssliche Gedanken erhielt einen repräsentativen Querschnitt des aktuellen Sohns-Weinangebots zur Verkostung. Die Erwartungshaltungen des Verkostungsteams waren aufgrund meiner Schwärmereien ziemlich hoch. Diese Erwartungen wurden nicht nur eindrucksvoll erfüllt, sondern teilweise sogar weit übertroffen.




Der Klassiker,

Geisenheimer Riesling - Sohns Elegance 2014:

Dieser so genannte Ortswein wird ausschließlich aus vollreifem, gesunden Traubenmaterial gekeltert. In der Nase zeigt sich sofort Extraktreichtum mit mineralischen Feuersteinnoten, gefolgt von Steinobstaromen, gelben Früchten und dezenter Kräuterwürze. Nach kurzer Zeit im Glas entwickelt sich ein feingliedriges, sortentypisches, unaufdringlich anregendes Bouquet. Am Gaumen frisch, kraftvoll, anregend fruchtig und mineralisch. Die knackige Säure passt perfekt und sorgt für eine gut ausgewogene Gesamtstruktur. Der lange Abgang überzeugt mit Kraft, Kompaktheit und finessenreichen Ecken und Kanten. Diese Eigenschaften sorgen für einen charmant eleganten Nachklang, der freudig nach dem nächsten Kostschluck verlangt.

Obwohl der Wein bereits gute Trinkreife hat, sollte sein Potential nicht unbeachtet bleiben, denn der charmante Prinz wird zum eleganten König reifen!



Der opulente Charmeur,

Riesling Fuchsberg - Sohns Excellence 2014:

Die kraftvollen Schlieren am Glasrand lassen vermuten, dass dieser Riesling Muskeln zeigen wird. In der Nase extraktreiche Aromastruktur, geprägt von Steinobst (hauptsächlich Weingartenpfirsich und ein wenig Marille), ein Hauch von reifen Birnen und dezent herbalen Noten, ummantelt von mineralischer Aromatik. Am Gaumen erstaunlich knackig strukturiert, mit fein verwobenem, extraktreichem Fruchtkörper, angenehmer Mineralik und sehr gut passendem Säuregerüst. Der lange Abgang zeigt Muskeln und Elegance gleichzeitig. Die noch jugendliche Gesamtstruktur ist gut definiert, hat aber noch einige charmante Ecken und Kanten, die dafür sorgen, dass der Wein weder kitschig noch plump wirkt. Der Nachklang bestätigt alle Eindrücke und verlangt wohlwollend nach dem nächsten Schluck.


Der Wein befindet sich auf beginnender Trinkreife, verfügt über sehr großes Entwicklungs- und Lagerpotential, welches für eine interessante Entwicklung innerhalb der nächsten Monate und Jahre sorgen wird. Für den sofortigen Genuss mit allen Facetten, die ein großer Riesling zu bieten hat, sollte der Wein dekantiert und keines Falls zu kalt getrunken werden!



Der Grandseigneur,

Riesling "Erstes Gewächs" - Kläuserweg 2014

Das bedeutet Rheingauer Riesling höchster Qualität und Typizität; und dem ist auch so. Langsam gleitende Schlieren am Glasrand bezeugen vorerst Extraktreichtum mit Kraft. In der Nase absolut feingliedrig, fast filigran, mit dezenter Steinobstaromatik, einem Hauch von gelben Früchten und mineralischer Frische. Am Gaumen kräftige, feingliedrige Struktur. Der opulente Fruchtkörper mit merklicher Mineralik ist bereits gut in sein passendes Säuregerüst eingebunden. Das überraschend knackig elegante Gaumenspiel setzt sich im sehr langen Abgang fort und sorgt so für Lebendigkeit und viel Finesse. Außerdem präsentiert er sich bereits erstaunlich rund und harmonisch, zeigt aber trotzdem einige liebenswerte Ecken und Kanten. Der Nachklang stellt eine Art "Weinorchester" dar und hinterlässt einen würdevollen Gesamteindruck.

Der Wein verfügt über mittlere Trinkreife, gutes Entwicklungs- und Lagerpotential und wird innerhalb der nächsten Monate zum großen Riesling reifen.



Der Erstaunliche,

Weissburgunder Mönchspfad - Sohns Excellence 2014

Burgundersorten zählen zwar nicht zu den Hauptsorten im Rheingau, aber am Weingut Sohns haben sie einen ebenso hohen Stellenwert wie die Rebsorte Riesling. Das Ergebnis, nicht erwartete, feinste Burgunderqualität.

Ein harmonisches Bouquet, bestehend aus exotischen Früchten mit einem Hauch von Steinobst und unverkennbarem Nussaroma, breitet sich extraktreich, aber unaufdringlich, in der Nase aus. Am Gaumen dezente Mineralik, fein verwoben mit dem Fruchtkörper, der sehr gut in ein passendes Säuregerüst integriert ist. Die Gesamtstruktur zeigt Kraft, Charme und eine ganz besondere Elegance. Diese Eindrücke setzen sich im langen Abgang fort, der lebendig und frech in den Nachklang führt, der sich äußerst animierend gestaltet und für finale Anerkennung sorgt.

Die angenehme mittlere Trinkreife könnte über das vorhandene Potential, welches weiterhin für eine gute Entwicklung sorgen wird, eventuell hinweg täuschen. Daher meine persönliche Empfehlung, einige Flaschen lagern!



Der Königliche,

Weißburgunder "M" - Sohns Perfection 2012

Da läuft es fast ölig den Glasrand hinunter. Also wohl wieder ein Muskelprotz? Muskeln ja, Protz nein. Es sind viel mehr Elegance und Würde, die hier die Nase umgarnen. Aromenvielfalt, wie man sie in solch einer Harmonie eher selten vorfindet. Würzig, nussig, extraktreich, elegant und frech zugleich, mit einem sehr dezenten Hauch von Mineralik. Am Gaumen spürbarer Fruchtextrakt, der perfekt in ein passendes Säuregerüst integriert ist. Die dezente Mineralik und die wirklich perfekt passende Säure sorgen in der Gesamtstruktur für jugendliche Frische. Der sehr lange, gut strukturierte, Abgang präsentiert sich elegant und finessenreich, mit merklichem Potential in Form einiger charmanten Ecken und Kanten. Im Nachklang zeigt sich nochmals jugendliche Frische mit Kraft und würdigem Zukunftspotential. Der nächste Kostschluck wird von allen Sinnen umgehend eingefordert.

Der Wein überzeugt bereits jetzt durch seine mittlere Trinkreife, verfügt aber noch immer über großes Entwicklungs- und Lagerpotential. Es wäre wirklich schade, diesen Weißburgunder bereits jetzt restlos auszutrinken und wenn man sich doch sofort ein Fläschchen gönnen will, dann bitte dekantieren!



Die elegant Graziöse,

Spätburgunder "M" - Sohns Perfection 2012

Von einem Winzer richtig interpretiert, präsentiert sich ein Blauer Burgunder graziös und elegant, mit zarter Gesamtstruktur, eben wie eine Dame. Die Sohn’sche Interpretation würdigt die Einzigartigkeit dieser empfindlichen Rebsorte, gekonnt und eindrucksvoll.

Die Optik, ein mittelkräftiges, dezent schimmerndes Purpur, lädt sofort ein, mehr über diesen Wein zu erfahren. In der Nase dezente Aromen von Jostabeeren, Hauszwetschken, dunklen Waldbeeren, einem Hauch von Gartenkräutern und einem sehr dezenten Touch von Bourbon Vanille. Alles fein verwoben zu einem harmonisch unaufdringlichem Bouquet. Am Gaumen filigran, finessenreich, sehr gut strukturiert mit zarten Tanninen und jugendlicher Frische. Die bereits sehr gut eingebundenen Holzaromen sorgen für eine perfekte Gesamtstruktur. Der Abgang ist wahrlich lang, sehr gut ausgewogen und finessenreich, ohne Tannin- oder Holzdominanz. Im Nachklang wird der anmutigende Gesamteindruck nochmals wohlwollend bestätigt.

Dieser Spätburgunder hat mittlere Trinkreife mit großem Entwicklungs- und Lagerpotential. Zurzeit empfiehlt es sich, die Flasche eine Stunden vor dem Genuss zu öffnen oder zu dekantieren.

In jedem Fall übertrifft der Sohns’sche Spätburgunder so ziemlich jede Erwartung und zählt darüber hinaus, für mich persönlich, zu den beeindruckendsten Blauburgundern, welche außerhalb der Burgund gekeltert wurden!



Fazit: Das Sprichwort "kleiner Keller, große Weine" scheint seine Richtigkeit zu haben. Die Weine der Familie Sohns bestätigen das in jedem Fall sehr eindrucksvoll; saubere, reintönige Weine mit Terroir und persönlicher Winzerphilosophie!


Verkostungsnotizen vom Oktober 2015











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