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Sofern nicht anders angeführt, ist Andy Bigler (Genuss Autor, Blogger und Kolumnist) für alle Artikelinhalte verantwortlich!


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Freitag, 8. Mai 2015

Weine, die alle schmecken - ziemlich gleich schmecken


Ausrutscher oder gewollt, weil es der Konsument so will?


In den letzten Wochen flatterte eine Vielzahl an Einladungen zu diversen Verkostungen des Weinjahrgangs 2014 ins Haus. Um nicht irgend etwas nachzuplappern was man so hört und auch aus beruflichem Interesse, besuche ich solche Veranstaltungen wann immer ich dafür Zeit habe.

Als bekennender Freund der Weißweine des Jahrgangs 2014 hege ich großes Interesse an den vielfältigen Interprätation der einzelnen Weingüter. Jeder hat seine ganz persönliche Auffassung bezüglich Sortencharakter, Terroir und Wein- und Jahrgangstilistik. Speziell die österreichische Paradesorte Grüner Veltliner entpuppte sich 2014 als sehr sortentypisch, mit trinkanimierender Stilistik, nicht zu breit und voluminös, dafür aber würzig und extraktreich und häufig auch mit sortentypischem Pfefferl.


Aber auch Riesling, Weißburgunder, Chardonnay und "g’schmackige" Sorten, wie Muskateller, Traminer und Sauvignon Blanc erhielten mehrheitlich ihre passende Stilistik.

Besondere Freude wird auch durch die unterschiedlichsten gemischten Sätze erweckt und auch so manche Weißweincuvees sorgen für Gaumenfreuden.

Ich behaupte bei den österreichischen 2014er Weißweinen ist für jeden Geschmack der passende Trinkgenuss dabei. Wem beispielsweise ein Grüner Veltliner zu würzig, ein Riesling zu fruchtig oder zu säurebetont ist, wird sich möglicher Weise für einen entsprechenden gemischten Satz oder eine andere Sorte entscheiden.

Jeder Winzer will seinen Weinen quasi eine ganz persönliche Note verleihen und seine Weine unverkennbar machen. letztendlich ist es nichts anderes als die persönliche Interprätation von Terroir, Sorte und Jahrgang. Wenn aber solche Interprätationen den Sortencharakter verfälschen und Richtung Vereinheitlichung gehen, ist das alles andere als spannend und auf nicht repräsentativ.

Auffallend schmeichelnde Muskatnoten in einem klassischen Grünen Veltliner finde ich weder passend, noch beeindruckend. Auch Noten eines biologischen Säureabbaus finde ich persönlich weder anregend, noch interessant.

Wenn sich dann auch noch eine derartige "Schmeichellinie" durch das gesamte Weinangebot zieht, muss ich einfach nach dem Sinn dieser Stilistik fragen. Nicht selten erhalte ich Antworten wie, es liege am Alter der Rebstöcke, die körperreiches, sehr reifes Traubenmaterial hervorbringen würden. Meistens lautet die Antwort aber, man hätte eben das Beste aus dem Jahrgang geholt. Auch nicht selten ist zu hören, dass diese Stilistik den Konsumenten gefalle.

Ich akzeptiere das, aber bitte weshalb werden verschiedene Rebsorten aus unterschiedlichen Lagen vinifiziert und angeboten, wenn sie sich dann doch alle sehr ähnlich sind, um nicht zu sagen, gleich schmecken?


Aber zum Glück legt die Mehrheit unserer Winzer großen Wert auf Sortentypizität, Charakteristik mit Terroir und passender Stilistik, was allerdings die vorangehende Frage nicht beantworten wird …..


Kommentare:

  1. Lieber Autor dieses Artikels! Mich würde interessieren weshalb einige "Fachschreiberlinge" fruchtige, geschmackvolle Weine als mangelhaft, sortenuntypisch oder sonst wie negativ hinstellen, während genau solche Weine in namhaften Zeitschriften gelobt werden?

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  2. Ich bin mir sicher, dass Weine, auf welche ich mich in diesem Posting beziehe, auch von "namhaften Zeitschriften" nicht gelobt werden.

    Die zitierten auffallenden Muskatnoten in einem Grünen Veltliner sind sicherlich nicht auf die veralteten Sortensynonyme weißer oder grüner Muskateller zurückzuführen, sondern auf Zugabe der Rebsorte Muskateller. Ich hätte damit auch kein Problem, wenn derartige Weine als Cuvee angeboten würden.

    Nur weil es erlaubt ist und weil einige Besucher solcher Heurigenbetriebe diese Weinstilistik mögen, ist das noch lange kein Grund, autochthone Sorten, wie den Grünen Veltliner auf allgemeinen Trinkgeschmack herzurichten, denn reinsortig heißt nun mal 100% einer einzigen Sorte!

    Wenn nun gleich mehrere verschiedene "sortenreine" Weine identische "Grundaromen" haben und sich nur minimal unterscheiden, obwohl die Sorten nicht miteinander verwandt sind, dann nenne ich es kompromisslos, Themenverfehlung!

    Genau aus diesen Gründen erwähne ich solche Weine nicht näher und habe damit meinen Standpunkt zum Thema "sortenrein, sortentypisch" hoffentlich nachvollziehbar erklären können.

    Mit sortentypischen Grüßen
    Andy Bigler

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    1. Ich sehe das genau so wie Sie und gerade 2014 war ein Jahr, wo sich die Geister schieden. Obwohl das Traubenmaterial (die Mengen eher bescheiden) sehr extraktreich war, konnten oder wollten, manche Betriebe nicht mit dessen Verarbeitung umgehen. Sie befürchteten Säurelastigkeit, entsäuerten und quälten ihre Weine in das übliche "Konsumentenschema". Speziell in Jahren wie 2014 macht sich deutlich bemerkbar, wer eine persönliche Stilistik hat, dem Jahrgang seine Attribute lässt und Weine mit Charakter keltert und wer das eben nicht beherrscht. Qualitativ hochwertige Weine gab es 2014 auch nur bei jenen Betrieben, bei denen Qualität im Vordergrund steht und nicht die Menge.

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