Statement Produktbeschreibungen


Liebe Leserinnen, liebe Leser!


Sofern nicht anders angeführt, ist Andy Bigler (Genuss Autor, Blogger und Kolumnist) für alle Artikelinhalte verantwortlich!


GENÜSSLICHE GEDANKEN veröffentlicht keine Produkt- oder Betriebsbewertungen! Es wird ausschließlich informiert und vorgestellt und das möglichst objektiv und wertfrei, was allerdings nicht immer ganz so einfach ist. Dafür gibt's dann die Rubrik "Ansichtssache" ...


Montag, 27. Juni 2016

Bodegas Esteban Martin (Cariñena - Alfamen/Zaragoza, Spanien)


Masse vs. Großmenge - der feine Unterschied

Großbetriebe und Massenproduktion werden gerne in einem Atemzug erwähnt, was deren Manager weniger gerne hören, denn Massenproduktion von Lebens- und Genussmittel wird zwangsläufig mit mangelhafter Qualität in Verbindung gebracht, was teilweise leider auch stimmt.



In der Weinbranche verhält es sich ähnlich, nur einige wenige Großbetriebe produzieren qualitativ hochwertige Weine, die Genuss und Trinkfreude bereiten und auch noch mit einem sehr guten Preis- Leistungsverhältnis verführen. Solche Betriebe stellen die rühmlichen Ausnahmen dar. Es werden keine billigen Massenweine produziert, man ist viel mehr  bestrebt, große Mengen guter Qualitätsweine herzustellen. Weil die Menge bekanntlich den Preis macht, können die Verkaufspreise auch bei passender Qualität möglichst gering gehalten werden.



Dieser Aussage liegen langjährige Erfahrungen zugrunde, was aber kein Grund sein sollte, auch auf diesem Gebiet sein Wissen nicht laufend zu aktualisieren.



Bodegas Esteban Martin, eine dieser rühmlichen Ausnahmen

Dank meiner Einstellung, nicht vorschnell zu urteilen, war es mir gegönnt, dieses Weingut, nahe Saragossa (D.O.P. Cariñena), kennen zu lernen.

Ein Familienunternehmen mit 200 Hektar Rebfläche im Eigenertrag und einer Jahresproduktion von 3,8 Millionen Flaschen ist mit Sicherheit als Großbetrieb einzustufen. Ein Produktionsvolumen von 3,5 Millionen Litern und eine Abfüllanlage mit einer Kapazität von 4.000 Flaschen pro Stunde könnten den Schluss zulassen, dass es sich um Massenproduktion handelt. Das ist allerdings nicht der Fall, denn hier werden qualitativ hochwertige Weine hergestellt, die für Genuss und Trinkfreude sorgen.



Wenn sich ein spanischer Unternehmer seinen Traum erfüllt

und Winzer werden will, dann macht er das gleich im großen Stil. Zumindest war es bei Miguel Antonio Esteban so, als er 2003 durchstartete und auf einen Schlag 150 Hektar Rebfläche kaufte. Damit war wohl allen klar, dass Miguel Antonio nicht vor hatte Hobbywinzer zu werden, sondern Weinbau-Großunternehmer.

Auch die Betriebsphilosophie wurde bereits damals klar definiert, man wollte sich von den Mitbewerbern mit Massenweinproduktion abheben und wesentlich Besseres auf den Markt bringen. Bis heute werden ausschließlich Trauben aus den eigenen Rebanlagen verarbeitet. Zukäufe von Trauben oder gar fertigem Wein kommen ebenfalls nicht in Frage und auch die naturnahe Bewirtschaftung der Rebflächen wäre bei dieser Betriebsgröße nicht selbstverständlich.



High-Tech im Einklang mit Tradition

Das Weingut Esteban Martin zählt zu den modernsten Betrieben Spaniens. Es wird nichts dem Zufall überlassen, weder in den Weingärten noch im Keller. Bei dieser Betriebsgröße und der angestrebten Weinqualität ist der Einsatz moderner Kellereitechnik nicht mehr wegzudenken, was auch nicht verwerflich ist, solange man diese so einsetzt, dass den Weinen Ihr eigenständiger Charakter erhalten bleibt.

Genau das scheint man hier bestens im Griff zu haben, was auch für den Einsatz von Barriquefässern gilt. Die Weine wirken weder uniformiert, noch werden sie von vordergründigen Holznoten dominiert. Jeder Wein hat seinen eigenen Charakter, keiner gleicht dem anderen. Eines haben sie gemeinsam, wirklich spektakulär sind sie nicht, dafür vermitteln sie viel Trinkgenuss mit sensationellem Preis- Leistungsverhältnis.

Esteban Martin hebt sich deutlich von so manchem seiner Mitbewerber ab und beweist auch, dass sich Großmengen und Qualität sehr wohl vereinbaren lassen. Auch wenn es unglaublich klingt, aber wir haben hier einen Großbetrieb, der Wert auf Charakter und Ausdruck legt!



Klima und Böden - eine Herausforderung

Die Hauptrebsorte ist Garnacha (Grenache). Aber auch Tempranillo, Cabernet, Macabeo, Chardonnay und Muscat wurden gepflanzt.

Die vorherrschenden klimatischen Bedingungen sind von Temperaturschwankungen geprägt, die man fast schon als extrem bezeichnen könnte. Heiße Sommertage, kühle Sommernächte und teilweise sehr kalte Wintermonate, prägen den Weincharakter ebenso, wie die Bodenbeschaffenheit der hoch gelegenen Weingärten (600 bis 800 Meter Seehöhe). Karge, steinige Böden, teilweise mit rotbrauner, lehmiger Erde durchsetzt, lassen die Reben (25 bis 65 Jahre) tief wurzeln. So werden sie auch während der trockenen Sommermonate stets mit genügend Feuchtigkeit und Nährstoffen versorgt.

Diese Bedingungen stellen zwar eine gute Grundlage für die Weinqualität dar, sorgen aber auch für eine anstrengende und teilweise sehr aufwändige Arbeitsweise.

Eine Herausforderung für jeden Winzer, aber wie kommt ein Großbetrieb, der gute Qualität in großen Mengen erzeugen will, damit klar? Die Antwort auf diese Frage werden uns seine Weine geben …




Die fünf Hauptweine am "Prüfstand"

Zu dieser Verkostung wurden auch private Weinliebhaber eingeladen, was die ganze Sache spannender als sonst machte und außerdem Beurteilungen mit "schmeckt mir" oder "schmeckt mir nicht", oftmals wesentlich hilfreicher sein können, als jeder noch so kluge Fachkommentar.



  • Esteban Martin - Blanco (Chardonnay/Macabeo) 2015

Die leuchtende, mittelkräftige, goldgelbe Farbe mit schimmernden Reflexen und die gemächlich abfließenden Schlieren am Glasrand machen neugierig, ob in dieser Flasche eine derbe Granate schlummert oder ein charmanter Weißwein auf seine Befreiung wartet.

Die Nase erfährt sofort, dass hier gar nichts derb ist, sondern charmant duftig. Honig- und Zuckermelone, fein verwoben mit gelbem Apfel und einem Hauch von von Mango und Limone geben den Ton an, eingepackt in filigrane Feuerstein Aromatik.

Na da kommt ordentlich Freude auf und was sagt jetzt der Gaumen? Fruchtig frisch und mit kompakter Struktur tänzelt der 13 Volumsprozentler nervös hin und her. Das ist eben kein Dicker, sondern ein beweglicher Schwergewichtler, der sogar mit dezenter Mineralik aufwarten kann.

Wie wird der wendige Schwergewichtler von der Bühne abgehen, wird er einfach verschwinden, oder schüchtern abreißen? Nichts da, die mittlere Länge passt perfekt. Die gute Gesamtstruktur, mit dezenten Ecken und Kanten, macht einfach nur Spaß und zaubert den Verkostern Freude ins Gesicht.

Der Nachklang ist nicht wirklich laut, dafür aber überhörbar frech, mit trinkanimierendem Charakter. Endlich wieder einmal ein Wein, der nicht zu Tode diskutiert, sondern mit Freude und Genuss getrunken wird!



  • Esteban Martin - Rosado (100% Garnacha) 2015

Nachdem vom Blanco, der quasi auch der Pegelwein war, alle angetan waren, wurden die Erwartungen natürlich gepusht.

Dieser Rose meldete sich gleich Mal mit 13,5%vol. Alkohol, nicht gerade üblich und mit zartrosa war da auch nichts. Sehr kräftiges, fast gedecktes Zwiebelschalen-Rot drängte ins Sichtfeld. Diese, eher ungewohnte, Farbe hatte ziemlich mächtige Schwestern, die zähflüssigen Schlieren.

Die Machtdemonstration wird in der Nase fortgesetzt. Fast schon Uhudler ähnliche Erdbeernoten, gefolgt von Rosenblüten und einem Hauch von Heublumen. Mit etwas Luft entwickelt sich eine interessante Aromatik mit exotischen Flair. Rund, kompakt, dicht und mächtig - fast zu viel für einen Rose.

Am Gaumen wird es vorerst breit, mit spürbarem Extrakt und etwas Restzucker. Unerwartete Mineralik und dezente Säure tragen diesen Koloss und sorgen dann doch noch für fruchtiges Frischegefühl. Ein phantasievoller Hauch von Uhudleraromatik bleibt im Gedächtnis.

Ein wahrlich langer, sehr muskulöser Abgang sorgt für Verwirrung, denn dieser Rose haut so richtig rein, ohne Ecken und Kanten.

Lautstark, fast schon vorlaut, meldet sich der Nachklang, so als ob er sagen wollte, "ich bin zu warm, trink mich kälter". Man sollte diesen Rat befolgen und dem Rosado eine Trinktemperatur von 7 bis maximal 9° Celsius verpassen. So wie es scheint, verleiht Kälte diesem Wein den nötigen Charme um Trinkfreude zu bereiten.



  • Esteban Martin - Joven (Garnacha/Syrah) 2015

Mittelkräftiges Rubinrot mit schimmernden Reflexen und langgezogene  Schlieren am Glasrand bieten einen frisch fruchtigen Anblick mit gesteigerter Vorfreude auf die folgenden Eindrücke.

Die Nase wird von einem Aromamix, bestehend aus Kirschen, roten Beeren, etwas Hibiskus, einem Hauch von Wiesenblumen und dezenter Kräuterwürze umgarnt. Ein anmutigendes, völlig kitschfreies Duftspiel.

Kompakt und gut strukturiert, mit zarten Tanninen, wird am Gaumen das gezeigt, was die Nase zuvor versprochen hatte. Trotz seiner 13,5%vol. Alkohol präsentiert sich dieser Joven leichtfüssig und beschwingt, mit sehr gutem Trinkfluss.

Der mittellange Abgang ist von einigen dezenten Ecken und Kanten geprägt, die für ein charmantes Frischegefühl sorgen, was den Trinkfluss noch ein wenig steigert.

Der Nachklang fordert schlicht und einfach den nächsten Schluck ein, ohne wenn und aber.

Ein persönlicher Tipp, den Wein leicht gekühlt genießen, dann entpuppt er sich als echter Spaßmacher beim Grillfest oder als Entspannungsbegleiter auf der Terrasse, nach einem anstrengenden Tag.



  • Esteban Martin - Crianza (Garnacha/Tempranillo/Syrah) 2012

Kräftiges Violett mit schimmernden bordeauxfarbenen Reflexen und kräftige, gemächlich abfließende Schlieren, bezeugen Kraft und Extrakt, was man sich bei einem Alkoholgehalt von 14,5%vol. auch erwarten darf.

In der Nase dominieren fein verwobene Aromen von Herzkirschen, Wildkräutern und Waldbeeren, unterlegt mit dezenten Vanillenoten und einem Hauch von Röstaromen. Insgesamt ein sehr harmonisches Bouquet ohne Kitsch oder Alkoholdominanz.

Am Gaumen spürbarer Extrakt, gut strukturierter Körper mit sehr gut eingebundenen Tanninen. Der Wein präsentiert sich kräftig und vollmundig, mit animierender Würze und gutem Trinkfluss.

Der lange, kompakte Abgang lässt die Muskeln des Weins spielen und zeigt einige charmante Ecken und Kanten, die finessenreichen Trinkfluss verleihen.

Der Nachklang, vergleichbar mit einem dezenten Paukenschlag, stellt die Bestätigung aller gewonnenen Eindrücke dar und diese verlangen sofort nach dem nächsten Schluck.



  • Esteban Martin - Reserva (Garnacha/Cabernet) 2011

Dunkles Kirschrot mit feurig, leuchtenden Reflexen und füllige, sehr gemächlich abfließende Schlieren zeigen nicht nur kräftigen Extrakt, es werden auch die Erwartungshaltungen entsprechend hoch geschraubt.

Die Aromen, welche die Nase regelrecht stürmen, lassen Freude aufkommen. Beinahe erdig und subtil werden Blaubeertöne, Neugewürz, Schokoladenoten, Zedernholzaromatik und zarte Tabaknoten mit einem Hauch Vanille vermischt. Diese kompakte, raffinessenreiche Aromaessenz erfüllt vorerst alle Erwartungen.

Würze und Kraft, mit eleganter Struktur, überzeugen auch den Gaumen. Vollmundig, angenehm gereift, mit sehr guter Frucht-Tannin Balance und einem Hauch von Röstaromen, wird der Gaumen verwöhnt, ohne kitschig "aufgeblasene" Frucht und auch die 14,5%vol. Alkohol versuchen nicht in den Vordergrund zu treten.

Der Abgang, der ist von beachtlicher Länge! Man hat das Gefühl, er möchte die "Verkostungsbühne" nicht wirklich verlassen, wird dabei aber weder aufdringlich oder gar plump. Charmant zeigt er seine kleinen Ecken und Kanten, eingepackt in Elegance, mit Tendenz zur Größe.

Lautstark, aber mit noblem Gesamteindruck macht sich der Nachklang bemerkbar. Absolute Einigkeit bei allen Verkostern, der nächste Schluck muss her!





Fazit: Die Weine der Bodegas Esteban Martin sind weder spektakulär, noch bedarf es einer weinakademischen Ausbildung, um sie zu verstehen.

Es handelt sich um konsumentenfreundliche Weine von erstaunlich guter Qualität, mit Charme und Charakter, was angesichts der Produktionsmengen nicht weniger erstaunlich ist. Kurz gesagt, unkomplizierter, genüsslicher Trinkspaß, ohne ewig dauernde Weindiskussionen …..




Verkostungsnotizen, Juni 2016




Kommentare:

  1. gut beschrieben und auch hoch gelobt. wenn tatsächlich sachlich und objektiv geschrieben, dann bleibt noch immer eine frage unbeantwortet, die preise im handel?

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    1. @ Preise: In Deutschland gibt es einige Bezugsquellen, wie z.B. "WeinUnion". In Österreich und der Schweiz gibt es zurzeit keine Importeure.

      @ sachlich u. objektiv: Hier werden ausschließlich qualitativ hochwertige Weine vorgestellt, unabhängig von persönlichen Vorlieben, Bezug zum Hersteller oder sonstigen Faktoren, die Sachlichkeit und Objektivität negativ beeinflussen könnten.

      @ hoch gelobt: Die verkosteten Weine entsprachen allen Kriterien guter Weinqualität und zeigten auch noch lobenswerte Eigenschaften wie Charakter und Eigenständigkeit.

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  2. Der Freihausviertler grüßt den ehemaligen Vinothekar,

    der anscheinend nichts dazu gelernt hat, dafür aber seine Prinzipien über den Haufen wirft, fleißig über nicht heimische Weingüter schreibt und dann auch noch Lobgesänge über Billigweine anstimmt.

    Pfui Teibl, kann ich nur sagen!

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    1. Freihausviertler, du lebst also noch und ich dachte schon ....

      Es freut mich, dass du so erhaben bist, mich in der 3. Person anzureden. Eigentlich sollte ich deinen Kommentar löschen, weil er wertlos ist, aber er beleidigt ja niemanden.

      Und ich hab' doch ein wenig was dazu gelernt, daher werde ich keine Erklärungen abgeben, oder sonst noch was schreiben. Ich ersuche dich nur, dich hier nicht mehr auszutoben. Wenn du mir ans Bein pinkeln willst, dann tu's, aber nicht hier.

      Vielen Dank!

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    2. Seawas!

      Sag, ist das dieses Pseudogscheiterl vom Naschmarkt? BTW geiler Artikel und echt feine Saftln, was ich so lese. Ich melde mich, da müssen wir drüber reden. Ich bin ab Mitte August wieder in Wien.

      GlG
      Da Herr Berti

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    3. Jooooo, er ist es. Fehlt er dir oder was? Melde dich dann im August, nicht vergessen (meine Nummer hat sich NICHT geändert). Und danke für's Artikel Lob.

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